
Weniger abhängig, mehr Unternehmer: Wie Garagisten ihr zweites Standbein aufbauen
Praxisimpulse zu neuen Marken, Werkstattkonzepten und After-Sales
Rückblick auf den Branchenevent von Hostettler Autotechnik AG und cdg Beratungen vom 24. September 2026 im Meilenstein Langenthal
«Das grösste Risiko ist, nichts zu machen.» Dieser Satz von Garagist Dominik Steffen fiel gegen Ende des Nachmittags, doch er fasst zusammen, worum es in Langenthal ging. Viele Garagisten spüren, dass die Abhängigkeit von einer einzigen Marke zum Risiko geworden ist. Die Frage ist nicht mehr, ob ein zweites Standbein sinnvoll ist, sondern wie man es aufbaut. Drei Fragen standen dabei im Zentrum: Warum jetzt? Was darf ich? Und wie gelingt der Schritt in der Praxis?
Warum jetzt: Der Druck wächst
Die europäischen Marken verlieren Marktanteile, Standards und Anforderungen der Importeure steigen, und neue Vertriebsmodelle verschieben Risiken auf die Garagen. Wer nur auf eine Marke setzt, hat wenig Spielraum, wenn sich die Bedingungen ändern. Marcel Stocker, Geschäftsleiter der Hostettler Autotechnik AG, zeigte zum Auftakt, wo eine stabile Alternative liegt: im Aftermarket. Er gibt Garagisten Wahlfreiheit bei Teilen, Zugang zu Diagnose und Technik und eine stärkere Position gegenüber den Herstellern. Und das After-Sales-Geschäft steht auf einer stabileren Basis als der Neuwagenhandel.
Was darf ich: Mehr Freiheit als viele denken
Doch wie weit reicht diese Freiheit rechtlich? Prof. Dr. Patrick Krauskopf, ehemaliger Vizedirektor der WEKO, machte klar: weiter, als viele Garagisten annehmen. Seit 2024 schützt die KFZ-Verordnung ihre unternehmerische Freiheit in Vertrieb, Werkstatt und Teilegeschäft. Eine zweite Marke ist grundsätzlich möglich, ein pauschales Vetorecht des Importeurs dagegen nicht. Teile dürfen frei bezogen werden, und freie Wartung allein gefährdet die Werksgarantie nicht.
Freiheit verlangt aber Vorbereitung. Wer sich von einer Marke löst, sollte Lager, Boni und Kundendaten früh klären und Investitionen wie einen neuen Showroom vorher vertraglich absichern. Vor allem aber, so Prof. Dr. Patrick Krauskopf, sollten Garagisten ihre Kunden selbst informieren und nicht auf den Hersteller warten.
Wie gelingt es: Mut und frühe Kommunikation
Dass dieser Weg funktioniert, zeigten die Garagisten in der von Anna Wälti (cdg Beratungen) moderierten Podiumsdiskussion. Daniel Marti setzte schon vor 18 Jahren auf zwei Marken, gerade um nicht abhängig zu werden. Als er die Markenverträge später kündigte, schrieb er seinen Kunden selbst, verlor kaum jemanden und gewann sogar neue dazu. Genau das hatte Prof. Dr. Patrick Krauskopf zuvor empfohlen. Lukas Rüfenacht von der BRW Garage Langnau hat mit einem Werkstattkonzept und Remote-Diagnose sein Angebot erweitert. Und Dominik Steffen von der Steffen Garage wagte früh den Schritt zu chinesischen Marken. Seine Erfahrung: Gerade bei neuen Marken braucht es KMU, die mit Qualität, Service und treuen Kunden Vertrauen schaffen.
Fazit: Unternehmer statt Markenvertreter
Ob neue Marke, Werkstattkonzept oder mehr After-Sales: Das richtige Standbein hängt vom Betrieb ab. Der Weg dorthin ist aber bei allen ähnlich. Wer seine Rechte kennt, früh mit Kunden und Mitarbeitenden spricht und den Schritt bewusst plant, macht sich unabhängiger. Stillstehen ist dagegen keine sichere Option, denn wie Dominik Steffen sagte: Das grösste Risiko ist, nichts zu machen.
Sie überlegen, welches Standbein zu Ihrer Garage passt? cdg Beratungen begleitet Sie gerne dabei.