
Haustechnik 2030: Volle Bücher allein genügen nicht
Am 24. Juni 2026 lud cdg Beratungen zusammen mit der Brunner Pumpen AG zum Anlass «Haustechnik 2030» nach Glattbrugg ein. Rund 20 Gäste aus der Branche diskutierten gemeinsam mit Christoph Schaer (Direktor suissetec), Thomas Lee (Lee Sanitär AG), Alexandre Knecht (Sillex KLG) und Nicole Pfaller (cdg Beratungen) über die Fragen, die viele Betriebe aktuell beschäftigen.
Die Nachfrage ist da. Und trotzdem hakt es.
Die Haustechnikbranche steht grundsätzlich gut da. Auftragsbücher voll, langfristiger Bedarf durch Gebäudesanierungen und Energieziele gesichert. Und dennoch stehen viele Betriebe unter Druck.
Christoph Schaer brachte den Widerspruch früh auf den Punkt: Eine Branche mit voller Auslastung und Fachkräftemangel diskutiert trotzdem noch immer stark über Rabatte. Qualität, Verlässlichkeit und Beratungskompetenz könnten viel stärker im Vordergrund stehen. Eine Stimme aus dem Publikum ergänzte: Die Branche habe in gewisser Weise verlernt, proaktiv zu sein. Es gehe vielen Betrieben gut, deshalb würden neue Ideen manchmal zu schnell abgeblockt.
Mehr Umsatz löst kein Margenproblem
Dieser Satz von der Brunner Pumpen AG traf ins Mark. Wer bei knappen Margen einfach mehr Aufträge annimmt, vergrössert bestehende Schwächen. Wenn Prozesse unklar sind und Wissen an wenigen Personen hängt, wächst mit der Arbeit vor allem die Belastung.
Profitable Aufträge entstehen nicht nur durch grosse Projekte. Sie entstehen dort, wo Betriebe aufmerksam beraten und Potenziale erkennen, zum Beispiel bei Umwälz- und Zirkulationspumpen, die in vielen Gebäuden seit Jahren nicht angepackt wurden. Solche Massnahmen können werterhaltend, energetisch sinnvoll und steuerlich interessant sein.
Eigenmietwert und MuKEn: Chance aktiv nutzen
Thomas Lee bestätigte, dass die Abschaffung des Eigenmietwerts und energetische Sanierungen bei Kundinnen und Kunden bereits angekommen sind. Das Thema sei «in den Köpfen» der Leute. Christoph Schaer blieb beim Begriff Boom vorsichtig, die Situation sei kantonal verschieden. Einig war man sich jedoch: Die Branche kann nicht einfach abwarten. Sie muss erklären, beraten und ihre Leistungen aktiver positionieren.
Ein treffender Vergleich aus dem Podium: Bei einer Küche fragt niemand zuerst, ob sie sich rechnet. Eine Heizung oder Pumpe dagegen wird oft als Kostenblock wahrgenommen. Genau hier braucht es mehr Aufklärung.
Mitarbeitende binden, Nachwuchs gewinnen
Nicole Pfaller war direkt: «Es reicht nicht, Gratiskaffee anzubieten und zu glauben, damit sei Mitarbeiterbindung erledigt.» Mitarbeitende wollen Wertschätzung, Entwicklungsmöglichkeiten und eine Führungskultur, in der sie ernst genommen werden. Das entsteht nicht durch einzelne Massnahmen, sondern durch gelebte Führung im Alltag.
Beim Nachwuchs war die eindrücklichste Aussage des Abends eine aus dem Publikum: Lernende auszubilden sei anspruchsvoll und manchmal streng. Aber es gebe kaum ein schöneres Gefühl, als an der Abschlussfeier zu sehen, was aus einer jungen Person geworden ist. Nachwuchsförderung ist keine Notlösung gegen den Fachkräftemangel. Sie ist eine Investition in Menschen und in den Berufsstolz.
Was bleibt
Volle Auftragsbücher sind kein Geschäftsmodell. Wer zu knapp kalkuliert, unklare Prozesse mitschleppt und keine Strategie hat, gerät auch in einem guten Markt unter Druck. Wer heute in Strukturen, Führung und Menschen investiert, schafft sich Spielraum. Wer wartet, hat morgen weniger Optionen.
Der Anlass «Haustechnik 2030» fand am 24. Juni 2026 in Glattbrugg statt und wurde von cdg Beratungen in Zusammenarbeit mit der Brunner Pumpen AG organisiert.